Aus der Werkstätte „UnFluencing“: Ein Gedankenfluss zum Wandel der Begriffe „Eigensinn“ und „Gemeinsinn“ von Niki Wiese

 

Gestatten, Suppenhuhn!

 

Ich mag das Seitliche.

Liege, wie es mir gefällt.

Drapiert die Hand.

Gekreuzt das Bein.

Tanzend, bis zum nächsten Ende.

 

Entflügeln macht keinen Sinn.

Ich bin sowieso raus aus dem Template.

 

Auch der Eigensinn des Buchsbaums kann

nicht die Kugel sein.

 

Warum nennt ihr mich störrisch?

Könnt ihr nicht sehen?

Eigensinnigkeit ist Geschmeidigkeit.

Übereinstimmigkeit. Mit mir.

 

Eigensinn.

Meine ureigene Art.

Mein sechster Sinn für meine Eigenheit.

Sinn meines eigenen Daseins.

 

Auch ein Huhn kann Phönix.

Darum stehe ich am Morgen auf.

 

Selbsterkannt im Fluss.

Verbünde und verbandle ich mich.

Mit dir. Im wir.

 

Mit euch allen

teile ich die Kraft meiner Knochen,

verbinde ich meine Zellen.

 

Gemeinsinn.

Gemeinsames Verständnis.

Spürsinn für die Verbundenheit aller.

Sinn unseres gemeinsamen Daseins.

 

Nichts war noch nie da.

Die gleichen Teilchen.

Kommen wieder und wieder.

Nähren, durchdringen.

Wurzelgeflechte, Asche und Staub.

Atome, Moleküle.

Immer wieder neu verbunden.

 

Gemeinsam als Wassertropfen.

Fallen wir vom Himmel.

Strecken wir unsere Flügel aus der Erde.

Wir wachsen, essen, schlürfen Suppe.

 

Die Kraft der Welle reiten.

Platz einnehmen.

Und gestalten, gestalten, gestalten.

 

Pole umlenken.

Nicht entweder oder.

Nicht null und nicht eins.

Sowohl als auch.

 

Liebe Grüsse.

Denk an mich.

Du bist ich. Ich bin du.

 

zum Bild: mit freundlicher Genehmigung von quh-berg.de

 

«Aus der Werkstätte UnFluencing»
 
Niki Wiese,
2019